Dienstag, 27. Mai 2014

Die nächsten Tage...

 ...wähnte sich das junge Paar gut in seinem Zeitplan. Der Innenausbau hatte teilweise begonnen, sogar Handwerker waren schon da. Ab jetzt konnte und musste es weiter aufwärts aufgehen, denn der Umzug steht schon bald bevor.
Munter ging die Arbeit also weiter und selbst der ständige Regen konnte da kein Abbruch tun. Stattdessen trug das miese Wetter aber dazu bei, etwas aufzudecken. Etwas, das alle Pläne über einen Hauf warf und etwas, das das junge Paar nie wieder sehen wollte:

Wasser!

Trotz des Ausbaus des Stornsteins, waren viele Wände in dem alten Häuschen im unteren Virtel nass. Panik und Ratlosigkeit machte sich breit. Der Zusammenhang zum Wetter war recht schnell klar, doch wie genau gelangte das Wasser nun in die Wände.
Als erste Maßnahme machte der Mann Nutzen von seinem großen sozialen Netzwerk und ließ die Wände von einem Fachmann für Feuchtigkeitsschäden begutachten. Der erkannte das Problem auch sofort - denn Elsa besitzt zwar eine Drainage, doch liegt die wohl nicht tief genug und auch nicht um das gesamte Haus herum. So dringt das Regenwasser in den Boden ein, "fließt" so unter dem Haus entlang und kann dann von unten in die Sohle und Wände des Hauses eintreten. Normalerweise ist dies aber gar nicht so ein großes Problem, doch leider wurden die Wände vor langer Zeit nicht sehr fachgerecht saniert. Lehmfachwerk ist zwar super für das Raumklima und reguliert sich selbst, was Feuchtigkeitsauf- und abgabe angeht. Doch wenn der falsche Putz - in diesem Fall Zementputz, bis zu 5cm dick! - aufgetragen wird, können weder Lehm noch Holz atmen (auf Lehmfachwerk gehört entweder wieder Lehm- oder Kalkputz).
So war das Wasser, das bei jeden Regenguss in die Wände gelangte, zwischen den Putzschichten gefangen und setzte sich in den Holzbalken fest. Denen bekam das Wasser überhaupt nicht: sie vermoderten, wurden von Käfern zerfressen und zersetzen sich so langsam wieder in einen erdähnlichen Zustand.
Auf dieser Basis würde das Häuschen zwar noch eine Weile stehen bleiben, jedoch hatte das junge Paar weder Lust auf ein ständig über ihren Köpfen schwebendes Damoklesschwert, noch darauf in 10 Jahren alle Wände wieder aufreißen zu müssen. Also wurde sich ans Werk gemacht und der Putz im Flur und in der Küche entfernt.

Flur EG
Küche in Arbeit




















Später wurde dann auch die Spüle noch ausgebaut und alle Fachwerk-Balken freigelegt. Als das geschafft war mussten natürlich die Schwellbalken inspiziert werden. Diese liegen ganz unten in der Wand und bilden die Basis aller aufgehenden Balken. Damit hierbei das Esszimmer nicht vollstaubte - hier versammeln sich tatsächlich schon immer die Helfer zum Kaffee trinken und Essen - wurde der Durchgang noch mit Malerfolie abgeklebt:



Im Flur kam der ganzen Situation zu Gute, dass hier ein Teil der Fachwerkwand vom Vorbesitzer schon einmal durch eine Mauerwand ersetzt wurde. Dafür wurde damals auch ein Teil des Schwellbalkens entnommen und durch ein Betonfundament ersetzt. Der Rest des Schwellbalkens wurde dann von der Frau mit Hilfe von Brecheisen, Staubsauger und viel Geduld aus Löchern gesaugt - dabei kam sie sich zwischenzeitlich vor wie eine Zahnärztin.



















Das Gleiche wurden dann auch noch mit dem Balken in der Küche gemacht. Zum Glück war dieser aber zu einem Großteil noch sehr stabil und musste nur in der Ecke, in der die Spüle stand, entfernt werden.
Dann konnte der Mann ans Werk gehen. Er sammelte sich einige Zeigelsteine, die vom Abriss des Schronsteines ja zu Hauf übrig waren, zusammen und füllte damit das Meiste der Löcher aus. Um dem Ganze dann Stabilität zu verleihen und mit dem Rest der Wand zu verbinden, wurden die Zwischenräume mit Zementmörtel verschlossen.



Als das fertig war sah die ganze Situation schon viel Vertrauenserweckender aus. Um solche Probleme in Zukunft zu vermeiden sieht der weiterführende Plan vor, die betroffenen Wände mit Trockenbau aus Spanplatten zu verkleiden. Dieser darf dann aber nicht dicht abschließen, sondern muss kleine Spalte offen halten und auch das Aufhübschen muss mit diffusionsoffener Wandfarbe oder Tapete erfolgen. So kann aufsteigende Feuchtigkeit einfach von der Wand an die Raumluft abgegeben werden ohne das es wieder zu Vermoderungsprozessen kommt.

Da das junge Paar aus dieser Situation gelernt hatte, wurden auch alle anderen Wände nach Feuchtigkeitsschäden untersucht. Leider wurden sie auch wieder fündig - im Durchgang zum Balkon. Auch hier war der Schwellbaken zur Außenwand hin feucht geworden und auch hier führte Zementputz zum altbekannten Problem. Nur die Ursache war eine Andere - eine nicht mehr 100%ig dichte Balkontür. Diese wurde schon von der Frau wieder abgedichtet. Dann wurde vom Mann auch hier den Balken durch Ziegelsteine und Mörtel ersetzt.

nicht mehr vorhandener Schwellbalken
in Progress

erneuerte Schwelle

Nun bleibt zu hoffen, dass dem jungen Paar weitere solcher Hiobsbotschaften erspart bleiben.

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